Die Suche nach Fremdheit und die Seele im Bild

Jihong Na aus Korea (Fotografie) und Kathrin Hoffmann aus Hamburg (Malerei)
stellen in Hollfeld aus

Fotografien einer schmalen Frau aus Korea und ganz persönliche, teils selt­sam komponierte Malerei einer jungen Hessin: Das zeigt die Galerie „Kunst & Museum" als ihre zweite Quartalsaus­stellung in der Eiergasse.


HOLLFELD - Jihong Na (36) wuchs in Seoul auf. Dort studierte sie Bildhauerei, kam dann für sieben Jahre an die Kunstakademie von Braunschweig und war hier zuletzt Meisterschülerin. Sie ist eine stille, in ihrer zurückhaltenden Wärme beein­druckende Frau, die in Braunschweig „freie Kunst" üben konnte: Zeich­nung, Malerei und Installation. Sie nimmt dafür inzwischen jedes Mate­rial, „nicht unbedingt nur die Kamera" - wie es die hier gezeigten Fotografien vermuten lassen.

Jihong Na zeigt in diesen Bildern zwei Themen: Kopfbilder ihrer Freunde
im Doppel, nur um Minuten versetzt aufgenommen, und Blicke in Städte. Dort fotografierte sie Werbeposter und Straßen: „Da ist die Farbe interes­sant. Eine rote Hose bei dem Mann, ein rotes Fahrrad hinten..."
Bei all dem geht es Jihong Na um ein „Suchen nach dem Fremden im Alltag, bei Menschen und Erinnerun­gen. Es gibt eine versteckte Fremdheit in der Welt, eine Unbestimmtheit und Unsicherheit. Alles ist eine unsichere Realität."
Ihre Doppelporträts machen dies deutlich. Manchmal scheinen es zwei verschiedene Menschen zu sein, so ver­wandelt wirken sie zwischen den kur­zen Klicks der Kamera. "Ich will in Frage stellen. Ich kann so diese Fremd­heit finden, uns verwirren. Fremdheit in einer normalen Umgebung."
Jihong Na bietet auch ein kleines drittes Thema: Namen. Sie schrieb die Namen von über 500 Freunden auf, sachlich eingerahmt - egal, wer ihr einfiel. Dabei verblüffte sie, weshalb ihr Wildfremde sofort einfielen und manche Schulkameraden nur mit Mühe. Sie kam mit dieser Aktion auf ihre Heimat zurück, auf ihren Lebens­lauf. „Ich hab das sehr interessant gefunden. Eine wichtige Erinnerung."
Jetzt denkt sie an ein Projekt mit Fotos von all ihren Sachen im Haus, vom Schuh bis zu Stift und Besen. Ihre Suche zieht den Betrachter an. Er lässt sich gern in dieses sehr private Denken nehmen, das zu neuem Sehen führt.


Kathrin Hoffmann (33) ist eine ganz anders arbeitende Künstlerin. Sie stammt aus einem hessischen Dorf und studierte an der Kunsthochschule von Kiel. Jetzt lebt sie in einer Künst­ler-WG an einem Hamburger Kanal. Gegenüber erhebt sich zwar eine triste Industrieshilouette, aber die malt sie manchmal nicht und macht einfach undefinierbar Himmelfarbe draus. „Obwohl ich Industrie eigent­lich ganz interessant zu verarbeiten finde."
Diese Brüche sind charakteristisch für sie: Kathrin Hoffmann mixt Natur und Beton, Reh und Zimmer, Freun­din und Couch, Porträt und Exotik. „Das ergibt sich alles", sagt sie. „Wichtig ist, dass man seine Seele reingibt." Sie malt langsam und altmeister­lich. Diese Technik brachte sie sich bewusst bei. „Das wollte ich mir beweisen. Ich wollte einen Grad errei­chen, wo ich zufrieden bin. Deshalb ist es aber wirklich anstrengend. Wenn ich ernsthaft dabei bleibe, geht es ans Existentielle." Gesichter und Pulloverfalten fallen ihr inzwischen leicht, „das macht viel Spaß". Begeis­tert ist sie von der Farbe des Schat­tens, wie ihn die Manieristen malten: „Von Gelb zu Violett und Blau - das ist super." Aber die Hände sind ein Problem. „Das ist Arbeit!"
„Es wächst einfach dazu"
Kathrin Hoffmann malt pro Jahr nur zehn Bilder. Oft sind es fünf paral­lel oder es kommt eins dazu, das sie Monate vorher umgedreht hat. Sie ver­wendet Fotos und Flyer als Vorlage, Videostills und Schnappschüsse, Ein­drücke von ihrem Jahr in Amerika und von acht Wochen bei der Schwes­ter in Schweden. Sie malt ihren Bru­der und den Wald von Schwalenberg/Lippe, wo sie ein Stipendium hatte, mitten in der Natur. „Das verwurste ich alles. Es wächst einfach dazu, was das Bild braucht."
Heraus kommt Surreales. Eigentüm­liches, oft Schönes. „Es ist vielleicht Melancholie in allem drin", fasst sie zusammen. „Es sind keine lauten Pop­bilder. Es findet etwas statt im Bild, was man mit 'Photoshop' nicht hin­kriegt." Es sind Bilder einer jungen Malerin, die unauffällig bei ihrer Phantasie bleibt, bei ihrem Weg. (Bis 25. Juni zu sehen, geöffnet Dienstag, Donnerstag und Sonntag am Nachmit­tag.)

THOMAS KNAUBER
28.04.2011

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