Gegensätze schaffen Spannung

Kontraste zeichnen die erste Quartalsausstellung dieses Jahres der Hollfelder Kulturfreunde e.V. aus, die seit vergangenem Freitag im Ideenhaus in der Eiergasse zu sehen sind. Klare Linien, Plastizität und eine reduzierte Farbgebung stehen Farbenpracht, Detailreichtum und eine Gradwanderung zwischen Figurativem und Abstraktion gegenüber. Doch „Gegensätze schaffen Spannung“ erläutert Dietmar Hofmeier in seinen einführenden Worten das Konzept der Ausstellung. Darum bilden die klar strukturierten Bilder von Horia Vancu und die fantasievollen Arbeiten von Kai Feldschur trotz ihrer kontrastreichen Bildsprache eine Einheit im Ideenhaus.
Die beiden Künstler sind in Hollfeld keine Unbekannten, wurden doch schon drei ihrer Bilder in der großen Internationalen Hollfelder Kunstausstellung „Rot“ im vergangenen Sommer im Kulturzentrum St. Gangolf und in Schloss Freienfels gezeigt. Darum waren die plastisch erscheinenden Häuserdarstellungen des rumänischen Künstlers Horia Vancu und der „Tomatenesser“ von Kai Feldschur Besuchern der Ausstellungseröffnung noch in guter Erinnerung.
Mit kräftigem Pinselstrich, der den „Eindruck von Grafik“ hervorruft, so Hofmeier, gliedert Horia Vancu seine Häuserbilder. Häufig sind nur die Dächer oder Fronten zu sehen. Vereinzelt setzt der Künstler, der an der Kunstakademie Bukarest studierte und der heute in Nürnberg lebt, Bäume und grüne Wiesenstreifen in den Hintergrund. Die Häuser, Inbegriff menschlichen Lebens, zeigen jedoch keinen Hinweis auf eine menschliche Existenz. Die Gebäude wirken leer, unbelebt. Die Plastizität seiner Gebäudedarstellungen überträgt er auch auf zwei Landschaftsbilder. Auch hier arbeitet er mit breitem Pinselstrich und wenigen Farben und verleiht damit der Landschaft eine starke Unmittelbarkeit.
Im „roten Saal“ hängen die Werke von Kai Feldschur und dort erwartet den Betrachter ein Feuerwerk an Farben. Insbesondere in seinen Atelieraufnahmen herrscht eine Farbdichte und Vielfalt an einzelnen Gegenständen, so dass der Blick des Betrachters permanent Neues entdeckt. Kai Feldschur kam 1997 in die Fachklasse von Karl Horst Hödicke an der Berliner Universität der Künste und malte dort vornehmlich nach Modell, vorzugsweise im großen Format. 2003 nahm der Künstler an der Ausstellung „HelsinkiBerlin“ teil und die finnische Stadt erschloss sich ihm durch die Fotografie. Seitdem arbeitet Feldschur sehr oft nach fotografischen Vorlagen. Er gießt verdünnte Acrylfarbe auf die Leinwand, lässt sie trocknen. In einem nächsten Schritt rastert er die Fotografie, zeichnet mit Kohle einzelne Strukturen und bearbeitet dann das Bild mit Ölfarbe. So entsteht Tiefe und die besondere Farbintensität. Diese Vorgehensweise hat einen weiteren Vorzug: Sie verschont Kai Feldschur vor der „Angst vor der weißen Leinwand“, wie er selbst sagt.
Die erste Quartalsausstellung der Hollfelder Kulturfreunde e.V. lebt somit nicht nur von den Gegensätzen der beiden Künstler, sondern auch von der Spannung, die sich selbst in den Arbeiten von Kai Feldschur und Horia Vancu verbirgt.

Barbara Pittner

Die I. Quartalsausstellung  der Hollfelder Kulturfreunde e.V. im Ideenhaus in der Eiergasse, Hollfeld, ist noch bis 31. März 2009 zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag: 13 bis 17 Uhr; Sonntag: 14 bis 16 Uhr.

Dr. Barbara Pittner
11.01.2009

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