Hollfeld: US-Flagge von Peter Schoppel gewinnt zweiten Preis bei «Internationaler Kunstausstellung» HOLLFELD - Die Kunst-Schau hat heuer das Thema «Licht». Wie immer vergab die Jury einen Sparkassen-Preis dafür. Er fiel an Esther Glück (36) aus Berlin.
«Das hat mich riesig gefreut», sagt sie. Ihre großen, feinen Konturen von Schnaken überzeugten, mit dem Skalpell ausgeschnitten. «Da bin ich sehr fimmelig, dass nichts kaputt geht. Da kann ich total geduldig sein.» Sie stieß auf dieses Thema, als sie einmal Insekten durch die Lupe betrachtete. Seitdem hat sie ein ganzes Sammelsurium daheim, auch von Bienen. «Ich finde sie und hebe sie auf, damit man sie doch noch etwas ehrt.»
Esther Glück freut sich, die Schnaken mit ihrer Schattentechnik wieder zum Tanzen zu bringen. Die Papiertechnik dafür wendet sie auch auf große, beeindruckende Akte an - wenn sie nicht kleine Objekte an die Wand setzt, verklebte Flaschen in den Wald stellt oder mit Licht in Räumen spielt.
Den Förderpreis der Hollfelder Kulturfreunde bekommt Heidi Lauter (42) aus Bad Kissingen für zwei Naturstudien. Die einstige Bankangestellte, die seit 1990 malt, ist gern in der Natur, arbeitet aber nie vor Ort. «Ich male oft nach meiner Fantasie oder nach Fotos.»
Sie liebt das Mystische, das dunkle Verweben von Bäumen, Nebel und Licht. «Ich hebe zum Teil absichtlich Details hervor, um das innere Leben der Landschaft zu zeigen. Wesentlich sind für mich die unscheinbaren, leicht übersehbaren Dinge.» Am Ende stehen anziehende, aber etwas düstere Werke.
Edin Bajric (29) überzeugt mit Aktfotografien, die still sind, freundlich, und einen grellen Lichtpunkt haben. Der Bosnier, der 1993 nach Deutschland flüchtete, hier das Abitur machte und jetzt in Hannover lebt, ist eigentlich Maler. Aber er interessiert sich auch für Fotografie, Video und Installation. Zu den Licht-Aktfotos wurde er inspiriert, als er im Internet die Bilder von Menschen sah, die sich selbst vor dem Spiegel fotografiert hatten, mit Blitz. Edin Bajric war angetan von «Farbe, Pose und Aufbau der Leute» und stellte das verbessert nach: Ohne Blitz, mit einem zweiten Spiegel, mit mehr Licht («für einen Heiligenschein»).
Inzwischen ist er noch einen Schritt weiter und postiert seine Modelle hinter einen großen runden Spiegel. Er möchte eine Stimmung erreichen, wie sie die Werke der alten Meister atmen. Das gelingt.
In ganz anderer Art geht Robert Pfann (44) aus Heppenheim an den weiblichen Akt heran. Seine hier gezeigten Bilder sind sanfte Beispiele seiner sonst überdeutlichen Akte. Er sagt zwar, dass es ihm nicht um Voyeurismus geht, aber er stellt doch alles sehr Intime sehr gewollt in den Vordergrund. Im Internet fällt seine Homepage deshalb unter den Index.
Ganz anders, vollkommen sachlich, geht Peter Schoppel aus Gundelsheim an das Thema «Licht» heran. Er bekommt dafür den zweiten Preis der Sparkasse. Er, der so viel Gefühl für Farben und Pflanzen hat, wird hier zum Grafiker. Er las in der Zeit über Barack Obama, sah ihn als Lichtblick und hatte damit sein Thema. Schoppel veränderte die US-Flagge: Anstelle der Sterne nahm er Kreuze. Sie zeigen «das Sterben der Kultur, eigentlich der Gesellschaft». Aber daneben stellte er optimistisch eine Strichliste für alles, «was schon positiv in Angriff genommen wurde». Darunter zog er quer einen bunten Strichcode, der das «Kaleidoskop des Lebens» spiegelt, «alle seine Farbigkeiten». Rechts im Eck das Kreuz soll wie beim Computer einschalten: «Damit es weiter geht.»
Ebenfalls eine stille Künstlerin ist Renate Fukerider (52) aus Weilersbach. Sie war Reprofotografin, bevor sie sich der Objektkunst widmete. Sie hat ein großes Thema: Die Erforschung der Zeit. Sie sucht Zeichen dafür, Umschreibungen, Wege - und fand den hier gezeigten Vorhang aus gewachstem Papier, der in vielen Taschen «fragmenthafte Alltagsrelikte» trägt, von der Brille bis zur Feder. Fällt nun Sonnenschein darauf, immer wechselnd, «bringe ich Licht hinter die Sachen».
Im Moment rückt Renate Fukerider der Zeit «bildhauerisch auf Leinwand» zu Leibe, indem sie Leinwände in Schichten zusammenstellt, oben mit Plexiglas abdichtet und dadurch wieder Licht eindringen lässt.
Genauso eine feine Papierkünstlerin ist Silke Schossig aus Großmehring - obwohl sie vom Akt kommt. Als sehr penibler, akkurater Künstler tritt Ulrich Köditz aus Weitramsdorf an. Aber seine hier gezeigten Arbeiten sind nur die Spitze eines Eisbergs: Er verdient eine Einzelausstellung. Nur erahnbar ist die innere Welt der Schwabacherin Ning Ma. Sehr farbenfroh, im Abstrakten gut kombiniert malt Almina Pongratz (43) aus Fürth. Sie stammt aus Jugoslawien und studierte in Sarajevo Kunst.
Thomas Knauber
05.08.2009
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